30 Jahre Deutsche Einheit

Drei Bäume für Deutschlands Einheit und Denkmal für die Leistungen der Bürger Halberstadts

Stadtratspräsident Dr. Volker Bürger, Oberbürgermeister Andreas Henke und Matthias Gabriel, der erstmals frei demokratisch gewählte Oberbürgermeister in Halberstadt und späterer Wirtschaftsminister des Landes, pflanzten am 3. Oktober „Drei Bäume für Deutschlands Einheit - Ein Denkmal für die Wiedervereinigung“. Als Standort wurde die Grünfläche Ecke Hoher Weg / Schmiedestraße vis-a-vis der Martinikirche gewählt. Die Stadt- und Bürgerkirche St. Martini war Ausgangspunkt für die friedliche Revolution 1989 in Halberstadt.



 

Von der Deutschen Schutzgemeinschaft Deutscher Wald und der Bundeskanzlerin Angela Merkel wurde dazu aufgerufen, an allen Orten in Deutschland zur Wiederkehr des 30. Jahrestages der Wiedervereinigung Deutschlands drei Bäume zu pflanzen. Dabei symbolisiert eine Buche die alten Bundesländer, eine Kiefer die neuen Bundesländer und eine Eiche das wiedervereinte Deutschland. An dieser Aktion beteiligte sich auch die Stadt Halberstadt. Ca. hundert Halberstädter Bürgerinnen, Bürger und Freunde der Stadt waren zu diesem kleinen Festakt unter freiem Himmel gekommen.

Für Halberstadts Oberbürgermeister Andreas Henke sei es als 27/28jähriger nicht vorstellbar gewesen, in einem vereinten Deutschland zu leben. „Ich konnte mir damals nicht vorstellen, in einem vereinten Deutschland zu leben, in einer anderen Gesellschaftsordnung. Mir schwebte eine Zweistaatenlösung vor, nicht nur mit offenen Grenzen, sondern in Anbetracht des gesellschaftlich politischen Klimas mit Offenheit, Transparenz und Toleranz, ohne Denkvorgaben und Sprachregelungen, mit Raum zu freien Entscheidungen. Es hat etwas gedauert, bis ich begriff, dass das niemals möglich gewesen wäre.“ Mit diesen ganz persönlichen Worten und Gedanken eröffnete Andreas Henke seine Begrüßungsrede. Die Wiedervereinigung habe nicht nur glanzvolle Zeiten gehabt und dennoch: „Die glückvolle Wandlung unserer Stadt städtebaulich, wirtschaftlich, kulturell, die Transformation in der demokratischen Republik, im sozialen Zusammenhalt, im neu erwachten bürgerschaftlichen Mitmachen ist das Ergebnis neuer Lebensleistungen der Bürgerinnen und Bürger Halberstadts“, so der Oberbürgermeister weiter und er unterstrich: „Wenn wir heute mit drei Bäumen für die Deutsche Einheit ein Denkmal für die Wiedervereinigung setzen, dann sollten wir dies auch als Denkmal für die Leistung der Bürgerinnen und Bürger sehen, die die friedliche Revolution möglich gemacht haben und die ein graues, in Teilen zerstörtes Halberstadt zum wachsenden Mittelzentrum in Sachsen-Anhalt gestaltet haben, das stolz sein Haupt erheben kann.“

Matthias Gabriel, von 1990 bis 1996 Oberbürgermeister in Halberstadt, erinnerte an die Demonstrationen, die mit tausenden Halberstädtern ihren Anfang in der Martinikirche nahmen. Er erzählte von seinen ersten Gesprächen und Verhandlungen mit Ministern, vom Kennenlernen freiwilliger- und Pflichtaufgaben für Kommunen oder darüber wie man mit Fördermitteln und Spenden erste Projekte in Halberstadt umsetzte. In seinen Augen habe es Für und Wider in der ehemaligen DDR gegeben und das sei heute ebenso. Im Rückblick auf die neunziger Jahre seien es in der Politik überwiegend „Überzeugungstäter“ gewesen - und hier fiel der Name Johann-Peter Hinz, erster frei demokratisch gewählter Stadtratspräsident, - die sich für die Sache stark und engagiert eingesetzt haben. Heute zähle in erster Linie die politische Zugehörigkeit zu einer Partei und nicht ein gemeinsames Ziel.  Politik müsse von Menschen getragen werden, die es als „Herzenssache“ ansehen. Die Schere zwischen arm und reich wird immer größer und das bereite ihm große Sorge. „Hier muss sich etwas ändern, damit die Menschen wieder zufriedener sind und damit sie nicht in die radikalen politischen Ränder abdriften“, hob Matthias Gabriel abschließend hervor.

Die Symbolkraft der Aktion „Drei Bäume für Deutschlands Einheit - Ein Denkmal für die Wiedervereinigung“ stellte Halberstadts Stadtratspräsident Dr. Volker Bürger in den Mittelpunkt seiner Rede: Die Menschen seien nicht nur dazu aufgerufen, diese drei Bäume zu pflegen und zu schützen, damit sie den äußeren Einflüssen standhalten und auch noch für weitere Generationen erhalten bleiben, sondern: „Wir sind auch dazu aufgerufen, die demokratischen Verhältnisse zu schützen, die sich in ganz Deutschland nach der Wiedervereinigung etablieren konnten und sich in dieser Eiche, die für das wiedervereinte Deutschland steht, symbolisieren. Mit Zitaten aus dem Lied der Puhdys „Alt wie ein Baum“ formulierte der Stadtratspräsident seine Hoffnung und seinen Wunsch, „dass wir die heutigen Probleme wie vor 30 Jahren bei den Wurzeln packen und angehen“ und „dass wir stark wie ein Baum den Stürmen (den Aufgaben und Widrigkeiten), die vor uns liegen, gemeinsam trotzen“.

Mit der Deutschen Nationalhymne endete der Festakt an den drei frisch gepflanzten Bäumen für Deutschlands Einheit.

Bildunterschrift:
(von links) Stadtratspräsident Dr. Volker Bürger, Matthias Gabriel, Oberbürgermeister von Halberstadt in den Jahren 1990 bis 1996, und Oberbürgermeister Andreas Henke beim Angießen der drei Bäume, die anlässlich der 30. Wiederkehr des Tages der Deutschen Einheit in Halberstadt auf der  Grünfläche Ecke Hoher Weg / Schmiedestraße vis-a-vis der Bürgerkirche St. Martini gepflanzt worden sind.