04.04- - 09.04.2020

Halberstädter Friedensfenster

Alexander Kluge zum 75. Jahrestag des Luftangriffs auf Halberstadt

4. – 9. April 2020

„So schön“ wie in Halberstadt hatte Franz Kafka „Menschen in den Fenstern noch nicht lehnen sehen“, als er 1912 die von mittelalterlichen Fachwerkhäusern gesäumte Stadt während seines Harz-Aufenthaltes erkundete.

Zwei Weltkriege und zehn Luftangriffe später wurde die Innenstadt am 8. April 1945 innerhalb einer halben Stunde mit fast 600 Tonnen Bombenlast zu etwa 82 Prozent zerstört. „Halberstadt brennt“, dieser Satz hat sich in die Erinnerung der Stadt eingeschrieben – und auch in die Biografie eines ihrer berühmtesten Söhne: Alexander Kluge überlebte als 13-Jähriger nur knapp.

Seitdem schreibt und filmt der Halberstädter Ehrenbürger, vielfach prämierte Autor und begeisternde Erzähler beharrlich an gegen die Gewalten menschlicher Kälte.

Zum 75. Jahrestag des verheerenden Bombardements gestaltet er in Zusammenarbeit mit Künstlern wie Katharina Grosse, Georg Baselitz oder Martin Wuttke einen „Frühling mit weißen Fahnen“. Denn auch dies bedeutet das Jahr 2020: ein Dreivierteljahrhundert Friedenszeit. Mit filmischen Projektionen, künstlerischen Installationen und musikalischen Interventionen widmet sich Kluge im Rahmen des Ausstellungsprojekts „Die Macht der Musik“ in den „Halberstädter Friedensfenstern“ insbesondere der poetischen Idee eines anderen, eines glücklichen Ausgangs – nicht zuletzt für seine Geburtsstadt:

„Es gibt Gerüchte. Früh halb 10 soll die Verteidigungszentrale der Stadt von Hildesheim aus durch einen amerikanischen Oberst über das Ziviltelefonnetz angerufen worden sein: Übergeben Sie die Stadt, beseitigen Sie die Panzersperren! […] Wenn bis 11 Uhr eine große weiße Fahne am linken Turm der Martinikirche gehisst worden wäre (von Süden gesehen links), wären die Bomberverbände wieder umgekehrt. Eine Frau soll noch versucht haben, ein aus vier Laken zusammengenähtes Tuch zur Stadtzentrale oder zum Kirchturm zu bringen.“

(aus: Alexander Kluge, Der Luftangriff auf Halberstadt am 8. April 1945, 1977)

Veranstaltungen

Fr, 3.4.2020
18.30 – 19.15 Uhr: exklusive Ausstellungspreview für die Überlebenden des KZ Langenstein-Zwieberge sowie deren Nachfahren im Rahmen der „Tage der Begegnung“ (in Anwesenheit Alexander Kluges)

Sa, 4.4.2020
15 Uhr: Eröffnung im Gleimhaus mit Alexander Kluge
16 – 19 Uhr: Ausstellungseröffnung mit Live-Musik in der ehemaligen Landeszentralbank (LZB)

So, 5.4.2020
10 – 16 Uhr: Ausstellung in der ehem. LZB geöffnet

Mo, 6.4.2020
11 – 18 Uhr: Ausstellung in der ehem. LZB geöffnet

Di, 7.4.2020
10 – 16 Uhr: Ausstellung in der ehem. LZB geöffnet

Mi, 8.4.2020
12 – 19 Uhr: Ausstellung in der ehem. LZB geöffnet
ab 17 Uhr: Ausstellung mit Live-Musik in Kooperation mit dem Nordharzer Städtebundtheater
19.30 Uhr: Lesung im Gleimhaus mit Martin Wuttke (angefragt)

Do, 9.4.2020
10 – 13 Uhr: Ausstellung in der ehem. LZB geöffnet (mit Vermittlungsangebot für Schulklassen)

Veranstaltungsorte

  • Gebäude der ehem. Landeszentralbank
    Ausstellungskurator: Christoph Streckhardt
    Westendorf 26
    38820 Halberstadt
  • Gleimhaus – Museum der Aufklärung
    Direktorin: Ute Pott
    38820 Halberstadt
    Domplatz 31
    Tel 03941 68710
    Fax 03941 687140
    E-Mail gleimhaus@halberstadt.de
    Web www.gleimhaus.de
  • Stadt Halberstadt
    (u. a. St. Martinikirche)

Weitere Filmprojektionen Alexander Kluges präsentieren bis zum 9. April das Nordharzer Städtebundtheater, das Berend Lehmann Museum (Moses Mendelssohn Akademie) sowie die Gedenkstätte Langenstein-Zwieberge.

Eine Veranstaltung der „Halberstädter Brennpunkte“ im Rahmen des Projekts „Alexander Kluge – Die Macht der Musik. Die Oper: Tempel der Ernsthaftigkeit“, gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes.

www.gleimhaus.de
www.dctp.tv

Ein Projekt von Alexander Kluge und Team in Kooperation mit der Stadt Halberstadt, dem Gleimhaus, der Kulturstiftung Sachsen-Anhalt sowie weiteren kulturellen Partnern in Halberstadt im Rahmen von „Alexander Kluge – Die Macht der Musik. Die Oper: Tempel der Ernsthaftigkeit“, gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes