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23. Dezember 2017

40440 kleine Diamanten leben hier mit mir.

Seit 56 Jahren bin ich Schatzsucher und Schatzbesitzer. Denn meine Heimatstadt ist mein größter Schatz. Hier bin ich geboren, hier lebe ich, hier bin ich zu Hause. 40440 kleine Diamanten leben hier mit mir. Es sind Rohdiamanten, denen man es nicht gleich beim ersten Mal ansieht, was in ihnen steckt, ...

#Schatzjahre
... aber auch geschliffene Schönheiten gibt es unter ihnen. Nicht zu vergessen sind die Diamantenpilger, die mir täglich über den Weg laufen, um die verborgenen und offensichtlichen Schätze meiner Stadt zu erkunden!

Wovon ich hier schreibe? Welche Diamanten ich meine? Na ich meine uns! Uns Halberstädter. Wir sind doch mit unserer Entscheidung, hier zu leben, die größten Schätze und Zeitzeugen dieser, unserer Heimatstadt.

365 Tage lang können wir über historisches Pflaster gehen, können unsere Augen sich an den Denkmälern, Kirchen, kulturellen Projekten ergötzen. Wir können uns einbringen in ein lebendiges Schatzfinden. Tag aus, Tag ein. Es ist so herrlich einfach und es Bedarf keinen Aufwand.

Ich schreib euch einfach mal, wie ich das meine, denn ich hatte im Spätsommer einen Tag, der mich über dieses beschauliche kleine Schatz-Städtchen mit dem Hauch einer ländlichen Idylle den ganzen Tag über schmunzeln ließ.

Es ist kurz nach dem Aufstehen. Ich beginne meinen Tag und begrüße, wie jeden Arbeitstag, meine Nachbarinnen und Blumenlieferantinnen Andrea und Carola aus der Heckenrose, die schon fleißig ihre bunten fröhlich machenden Blumen zueinander finden lassen. Ich bekomme meine Handvoll Blumen, winke fröhlich und wollte mich Richtung Café begeben. Auf der gegenüber liegenden Straßenseite spiegelt sich in den Fenstern des Restaurants „Alt Halberstadt“ die Morgensonne, so dass ich nicht sonderlich weit komme. Keine fünf Meter weiter strahlen mit der Sonne um die Wette: Bianca und ich als wir uns sehen. Und während wir so fröhlich schwatzend und lachend da stehen, huscht der Bürgermeister Andreas auf seinem Drahtesel an uns vorbei und wünscht uns ein lautes fröhliches „Guten Morgeeeeen!“

Nach dem kurzen beschwingten Plausch setze ich mich erneut in Bewegung Richtung Café. Eine Hupe und der fröhlich winkende und immer gut gelaunte Jungkoch Ronny aus dem Dorfkrug in Deersheim lässt mich noch einmal meine vor mich hin sinnierende Tagesplanung unterbrechen. Ich winke zurück. Schließe das Hoftor auf und denke mir so: „Was für eine unglaubliche Stadt, was für ein Morgen!“

Und den Abschluss dieses Tages krönte dann noch eine Gästin, die mich fragte, ob sie mich drücken dürfe, denn der Raum für ihre kleine Geburtstagsfeier sei so einladend! Klar durfte sie das. So eine Umarmung ist doch wie Diamantenstaub der vielen kleinen Schätze des Alltags. Ihre Tochter Uta war Küstlerin in unserer Stadt und ist viel zu früh gegangen. Sie war für mich auch so ein besonderer Schatz.

Sabine Hannibal

KuC Kulturcafé

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